Die Initiative Wohnwende fordert ein konsequenteres Vorgehen, damit in Lüneburg lange Leerstände vermieden werden
Lüneburg. Nach Einschätzung einer Studie braucht Lüneburg bis 2030 mindestens 2000 zusätzliche Wohnungen. Darüber diskutierten Vertreter mehrerer Parteien im Vorfeld der Kommunalwahl bei einem Bürgergespräch der Initiative Wohnwende im Museum Lüneburg. Die Gruppe gehört zum Zukunftsrat Lüneburg. An der Diskussion beteiligten sich Wolfgang Goralczyk (CDU), Thorben Peters (Linke), Ulrich Blanck und Andrea Kabasci (Grüne), Tim Schröder (Volt), Andrea Schröder-Ehlers (SPD) sowie Frank Soldan (FDP).
Die Veranstalter kritisierten, dass die Stadt bislang zu wenig gegen den Wohnungsmangel unternommen habe. Neubauten allein könnten das Problem nicht lösen, sagte Norbert Bernholt vom Zukunftsrat. Sie seien teuer, dauerten lange und seien ökologisch problematisch. Vorrangig müsse vorhandener Wohnraum wieder genutzt werden.
Im Mittelpunkt stand dabei die Zweckentfremdungssatzung der Stadt. Sie untersagt es Eigentümern, Wohnungen über längere Zeit leer stehen zu lassen oder dauerhaft als Ferienunterkünfte zu vermieten. Reiner Netwall vom Arbeitskreis Lüneburger Altstadt bemängelte, die Satzung werde bislang nicht konsequent genug umgesetzt.
Jonas Korn von der Initiative Wohnwende verwies auf das Beispiel Hamburg. Dort seien durch eine konsequentere Anwendung der Regeln zwischen 2019 und 2021 mehr als 2600 Wohnungen wieder dem Wohnungsmarkt zugeführt worden. Zudem habe die Stadt Zwangsgelder in Höhe von 2,4 Millionen Euro eingenommen.
Über Parteigrenzen hinweg bestand nach Darstellung der Veranstalter weitgehend Einigkeit: Um Leerstände und mutmaßlich illegal vermietete Ferienwohnungen besser zu erfassen, brauche die Verwaltung zusätzliches Personal. Auch ein Leerstandsregister wurde als notwendig bezeichnet. Eine konsequentere Kontrolle könne Wohnungen mobilisieren und zugleich Einnahmen für die Stadt bringen. Weitere Vorschläge waren die Nachverdichtung in bestehenden Quartieren sowie Beratungsangebote für Eigentümer, die allein in großen Häusern leben. Zum Abschluss regten die Organisatoren an, in der kommenden Wahlperiode ein parteiübergreifendes Konzept gegen den Wohnraummangel zu erarbeiten – gemeinsam mit Bürgern und Fachleuten. Dieses solle anschließend dem Rat der Stadt vorgelegt werden.
Lünebuger Landeszeitung vom 25.8.2026
