Lüneburg, 29. Juni 2026
Am Donnerstag, den 25. Juni fand Lüneburgs erste Stadtführung zum Thema Wohnungsleerstand statt. Die Initiative WohnWende Lüneburg hat einer interessierten Gruppe das Problem sichtbar vor Augen geführt.
Unter den Teilnehmenden waren auch Stadtbaurätin Maja Lucht, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung Hans-Christian Lied, Landrats-Kandidat Torsten Franz sowie weitere Personen der Parteien Grüne und Linke, Personen vom Arbeitskreis Lüneburger Altstadt, Mitglieder der Wohngenossenschaft „Wohnen im Zentrum“ und weitere Teilnehmende.
Die Teilnehmenden wurden auf der knapp 3 km langen Route dazu eingeladen, ihren Blick für die Problematik zu schärfen – der Blick muss in diesem Fall meist nach oben gehen, dann können die vielen dunklen, teils verhangenen Wohnungen wahrgenommen werden. Mehrere hundert Wohnungsleerstände werden in Lüneburg vermutet, die meisten davon dauerhaft. Offizielle Zahlen zur Dimension des Problems gibt es noch nicht – ein Leerstandskataster würde hier Abhilfe schaffen, so eine Forderung der Initiative WohnWende.
Lüneburg hat großen Wohnraummangel – und gleichzeitig viel langfristigen Leerstand, viele Ferienwohnungen (davon vermutlich über 700 illegale) und gleichzeitig ca. 25 % unterbelegten Wohnraum. Alles Probleme, die Lüneburg laut der Initiative angehen müsse.
An einer Station im Rotenbleicher Weg wurde deutlich, dass Leerstand nicht nur sozial und ökologisch negative Konsequenzen hat, sondern auch sicherheitsrelevant ist: Hier und in zwei anderen Leerstands-Häusern gab es Brände – die Löscharbeiten wurden durch eine zugeschweißte Tür und vernagelte Fenster verkompliziert.
„Zum Glück hat Lüneburg bereits eine Zweckentfremdungssatzung, die Leerstand und Ferienwohnungen im Wohnbestand verbietet. Das Problem: zum einen gibt es einige Schlupflöcher, die noch geschlossen werden müssen, zum anderen braucht es eine deutliche Aufstockung des Personals in der Verwaltung, um die Missstände überhaupt angehen zu können“, sagt Jonas Korn von der Initiative WohnWende Lüneburg.
Gründe für langfristigen Leerstand gibt es viele und so braucht es auch eine Bandbreite an Maßnahmen. Für Eigentümer lohnt sich teils ein Leerstand, weil Häuser an Wert gewinnen und damit der zukünftige Profit um 4-5 % im Jahr ohne Eigentätigkeit ansteigt. Für viele leere Wohnungen in den Obergeschossen über Läden gilt, dass Umbaumaßnahmen erforderlich wären, um diese brandschutzgerecht wieder zugänglich und vermietbar zu machen. Teils sind aufwändige Renovierungen notwendig, die bei Vermietung vom Mieter durchzuführen sind. Teils werden sich Erbengemeinschaften nicht einig. In anderen Fällen ist Verfall und ggf. Entmietung geplant, um Abriss und Neubau oder Sanierung und Neuvermietung zu wesentlich höheren Mieten zu ermöglichen. Weiterhin ist es auch möglich, als Eigentümer „Verluste“ durch Leerstand steuerrechtlich geltend machen, sodass sich eine Vermietung nicht lohnt. Viele Eigentümer sind auch von der Problematik überfordert und schrecken möglicherweise notwendige Umbaumaßnahmen oder Aufwand und Risiko der Vermietung.
All diese Probleme müssen durch die Verwaltung jeweils angemessen adressiert werden, um das erhebliche Wohnpotential, das in dauerhaften Wohnleerständen in Lüneburg schlummert, aufzuwecken. Die Politik muss dafür Haushaltsmittel für entsprechende Stellen bereitstellen.
Die Stadtführung endete in der westlichen Altstadt, wo Ferienwohnungen und Leerstände zuhauf vorhanden sind. Die Teilnehmenden diskutierten während der gesamten Führung angeregt und haben sich viele Notizen gemacht. Die Initiative WohnWende Lüneburg plant, eine weitere Führung in der Lüneburger Wandelwoche anzubieten. Außerdem möchte sie demnächst die Bevölkerung zur Mithilfe aufrufen und einen Online-Melder für Zweckentfremdungen auf die Webseite stellen.



Zur Initiative
WohnWende Lüneburg ist eine Initiative, die sich für eine sozial-ökologische Wohnraumpolitik in unserer Stadt einsetzt. Ziele sind dabei eine Verminderung von Leerstand und weiterer Zweckentfremdung und eine soziale Wohnraumpolitik statt neuer Wohngebiete am Stadtrand. Die Initiative gehört zum Zukunftsrat Lüneburg e.V.
